Kultursensible Pflege: Eine Bereicherung mit Hindernissen

Kulturell wächst unsere Welt immer mehr zusammen. Davon können wir alle profitieren, denn neue Kulturen bringen immer auch neue Sichtweisen mit sich, die uns helfen, die Welt aus anderen Augen zu sehen. Dies gilt auch für den großen Bereich der Pflegeberufe.

Neben einer Bereicherung kann dies aber auch eine sehr große Herausforderung sein. Denn vielfach sind Einrichtungen gar nicht darauf vorbereitet, verschiedene Kulturen zu integrieren. Dabei können diese Herausforderungen schon mit ein paar einfachen Mitteln erfolgreich gemeistert werden.

Was ist kultursensible Pflege?

Der Begriff „kultursensible Pflege“ beschreibt den Ansatz, die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund aufzuzeigen und ihnen so einen gleichberechtigten Zugang zu Pflege zu ermöglichen. Wichtig ist, dass sowohl Pflegefachkräfte als auch die Pflegebedürftigen die verschiedenen Kulturen kennen und wertschätzen können.

 

Wir lässt sich kultursensible Pflege umsetzen?

Sich verschiedener Kulturen bewusst zu sein, reicht alleine nicht. Erst, wenn für die Pflege ein Konzept besteht und umgesetzt wird, ist eine Integration möglich. Das Wichtigste sind dabei keine großen Ausgaben, sondern die richtigen Grundlagen. Und diese lassen sich mit diesen Schritten umsetzen:

 

Verständnis schaffen

Das Pflegepersonal einer Einrichtung muss bewusst damit umgehen, dass einige Patienten einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Hier ist das Verständnis entscheidend, dass dadurch entstehende Umstände keine böse Absicht der Patienten sind, sondern tief in ihrem kulturellen Selbstverständnis verwurzelt sind.

Die Abneigung einer anderen Kultur ist oft unbewusst auf der Angst vor dem Unbekannten gewachsen. Hier hilft es, sich bewusst und offen damit auseinanderzusetzen. Im Idealfall stellen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Kultur vor und gehen auf Fragen ein. So werden Barrieren von Beginn an abgebaut.

 

Informationen sammeln und aufbereiten

Gerade in einem oft hektischen Pflegealltag gehen die Inhalte solcher Schulungen leicht unter. Kommen neue Kollegen hinzu, fehlen ihnen zudem die vorangegangenen Schulungen.

Deshalb ist es für alle Beteiligten sinnvoll, diese Informationen schriftlich festzuhalten und zum Beispiel ein übersichtliches Datenblatt pro Kultur anzufertigen. Dies hilft bei Bedarf allen, wichtige Punkte schnell nachzulesen.

 

Verfahrensstandards festlegen

Sind andere Kulturen bekannt, können Verfahren etabliert werden, die Rücksicht darauf nehmen. Dazu gehören neben bestimmten Lebensmitteln, die Patienten nicht konsumieren dürfen, auch soziale Bräuche: Gibt es bestimmte Rituale bei Besuchen, auf welche die Familien der Patienten besonders viel Wert legen?

Zu diesen Standards gehört auch, den Patienten und ihren Familien offen die Regeln der Einrichtung zu kommunizieren. Auf diese Weise können alle Involvierten gemeinsam Wege suchen, die kulturellen Besonderheiten in den Pflegealltag einzufügen.

 

Regelmäßiger Austausch

Es klingt selbstverständlich, doch kontinuierliche Kommunikation ist der Schlüssel für den Erfolg einer kultursensiblen Pflege. Dazu zählt zum einen die Kommunikation des Pflegepersonals untereinander, um auf Schwierigkeiten hinzuweisen und Informationen auszutauschen.

Aber auch der Austausch mit den Patienten ist wichtig: Welchen Stellenwert haben bestimmte Rituale oder Regeln für sie? Worauf legen sie Wert, was ist ihnen eher unwichtig? Nicht jedes Mitglied einer anderen Kultur sieht es als sehr wichtig an, jede Regel genau zu befolgen.

Auch hilft der regelmäßige Austausch in der kultursensiblen Pflege dabei, jede mögliche Angst vor dem Fremden im Keim zu ersticken.

 

Möglichkeiten im Pflegealltag

Ansätze, die kultursensible Pflege umzusetzen, gibt es viele. Wichtig ist, die individuelle Situation zu betrachten, statt lediglich vorgefertigte Lösungen umzusetzen, auch wenn diese möglicherweise unpassend sind. Dazu gibt es verschiedene Ansätze, die geeignet sein können, es aber nicht sein müssen:

 

Ein Mediator

Pflegeeinrichtungen können einzelne Mitarbeiter zu Mediatoren oder Lotsen ernennen und entsprechend schulen, damit diese sich um den Austausch der verschiedenen Kulturen kümmern können. Idealerweise handelt es sich um ein Mitglied der anderen Kultur, da so ein hohes Grundverständnis am ehesten gegeben ist.

 

Piktogramme

Wenn Patienten und ihre Angehörigen kein oder nur wenig Deutsch sprechen, entstehen sehr schnell große Schwierigkeiten. Bildkarten mit Piktogrammen können den täglichen Austausch enorm erleichtern. Diese Karten müssen nicht teuer gekauft werden, auch auf stabiles Papier gedruckt und laminiert helfen entsprechende Bilder bereits sehr.

 

Gemeinsame Feiertage

Besondere Feiertage gemeinsam mit der ganzen Einrichtung zu feiern, unterstützt ebenfalls das Verständnis aller füreinander. Denn auch die Patienten sind gefragt, Rücksicht aufeinander zu nehmen und sich respektvoll zu begegnen. Gemeinsame Feiern helfen, sich näher zu kommen und Verständnishürden abzubauen.

 

Fazit: Der Wille zum Verständnis

Damit ein Zusammenleben verschiedener Kulturen funktioniert, muss auf allen Seiten der Wille dafür vorhanden sein. Ist dies gegeben, können alle Beteiligten dazu beitragen, das Verständnis zu fördern. Die Hauptverantwortung liegt dafür natürlich beim Pflegepersonal, das die meisten Möglichkeiten hat, die Wege für eine kultursensible Pflege einzuschlagen.