Spiele und Beschäftigung für Kinder mit Behinderungen

Kinder müssen spielen können. Dieses Recht führten die Vereinten Nationen 1959 mit Artikel 31 Absatz 1 der Kinderrechtskonvention ein. Damit wurde ein Recht auf Ruhe, Freizeit, und altersgerechte Freizeitbeschäftigung und Spiel im Gesetz verankert.

Was im Normalfall wenige Probleme verursacht, kann in der Pflege aber enorme Herausforderungen bedeuten. Kinder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen möchten ebenso spielen wie ihre Altersgenossen, haben aber weniger Möglichkeiten dazu. Dabei ist gerade für sie die Beschäftigung wichtig, denn durch Spiele werden Körper und Geist gefordert und trainiert.

Spiele fördern die Entwicklung

Jedes Kind lernt von klein auf durch Ausprobieren und Spielen die Welt kennen. Farben, Formen und Materialien werden erkundet, Geräusche gemacht und der eigene Körper mit seinen Möglichkeiten erlebt. Im Zusammenspiel mit anderen Kindern trainieren sie ihre sozialen Fähigkeiten.

Sie lernen im Spiel, dass sie einen Platz in einer Gruppe haben, der mit Rechten und Pflichten verbunden ist: Sie haben ein Recht, Spielzeuge nutzen zu dürfen, müssen diese aber auch mit anderen Kindern teilen und Rücksicht auf sie nehmen. Erwachsenen kommt hier die Aufgabe zu, sie in dieser Entwicklung zu unterstützen.

 

Spielend lernen

Spielen ist der beste Weg, zu lernen. Denn Spielen macht Freude und geschieht aus einer Eigenmotivation heraus. Es zählt nicht das vorher festgelegte Ergebnis, sondern der Weg und das Erfahren der eigenen Möglichkeiten.

Der Neurobiologie Gerald Hüther erklärt in seinem Buch „Rettet das Spiel“ und Interviews, wie entscheidend das freiwillige Spielen für die Entwicklung von Kindern ist – und wie fatal sich starres Lernen und Zwang auf ihr ganzes Leben auswirkt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Kinder ihre eigenen Spiele entwickeln dürfen, statt von Erwachsenen genötigt zu werden, „richtig“ zu spielen. Kurzum: Spielen ist für Kinder besser als jedes Förderprogramm, das Erwachsene sich ausdenken.

 

Auch Kinder mit Einschränkungen wollen spielen

Auch Kinder mit Behinderungen müssen die Möglichkeit haben, sich spielerisch zu entwickeln. Pfleger sind dabei mit großen Herausforderungen konfrontiert: Sie brauchen nicht nur speziell angefertigtes Spielzeug, sondern oft auch deutlich mehr Betreuung.

Behinderungen sind dabei so vielfältig wie die Kinder selbst, mit denen Du arbeitest. Die Einschränkungen können sich in vielen Bereichen zeigen: In der Motorik, der Kognition, der Wahrnehmung oder ihrer Fähigkeit, Beziehungen zu anderen auf- und auszubauen. Welche Spiele zu ihnen passen, müssen Ärzte, Eltern und Pfleger gemeinsam herausfinden.

Der Charakter der Kinder spielt dabei eine ebenso große Rolle wie ihre persönlichen Vorlieben: Eine Vorliebe oder Abneigung gegen bestimmte Materialien, Geräusche oder Farben lässt sich nicht vorhersagen, sondern muss durch Versuche herausgefunden werden.

Eines zeigt sich aber immer wieder: Der Wunsch, zu spielen, die Umwelt zu erkunden und mit ihr zu interagieren, ist immer vorhanden. Wird er durch Spiele gefördert, blühen Kinder förmlich auf und machen oft große Schritte in ihrer Entwicklung.

 

Spielideen

Viele Dinge, mit denen Kinder ohne Behinderung spielen, sind auch für Kinder mit Einschränkungen geeignet: Bälle, Luftballons und Bauklötze begeistern alle. Je nach Entwicklungsstand sind auch Brettspiele beliebt.

Bei anderen Dingen ist es wiederum nötig, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen: Aufsätze für Stifte erleichtern ihnen das Halten, aufsteckbare Griffhilfen ermöglichen ihnen mehr Selbstständigkeit, und klare Designs ermöglichen ihnen das Nutzen von Gegenständen.

Wenn Du mit gemischten Gruppen arbeitest, achte darauf, dieselben Spielzeuge für alle einzusetzen, damit sich kein Kind ausgeschlossen fühlt.

 

Bewegung – Bälle, Tücher, Tanz

Bälle sind etwas Großartiges. Die Kinder können sie werfen, rollen oder schießen. Bälle sind ideal für Gruppenspiele. Nutze dabei die verschiedenen Materialien: Transparente Bälle mit einer bunten Füllung sind immer wieder faszinierend für Kinder, während weiche Schaumstoffbälle das Verletzungsrisiko stark reduzieren.

Auch Tücher, die in Wellenbewegungen durch die Luft gezogen werden, begeistern Kinder. Große Tücher können auch zu einer Hängematte oder einer Räuberhöhle werden, da sie vielseitig einsetzbar sind.

Und auch tanzen kann ein Spiel sein: Es wird getanzt, solange die Musik spielt – verstummt sie, versucht jeder, regungslos zu verharren.

 

Den Tastsinn ansprechen

Barfuß mit geschlossenen Augen über verschiedene Untergründe laufen, mit Fingerfarbe malen, Sandburgen bauen oder blind in „Tastkästen“ greifen und raten, was darin steckt – all das regt die Fantasie an. Kinder lernen so ihre Sensorik besser kennen und erforschen ganz von selbst unterschiedlichste Gegenstände.

 

Lichtspiele

Licht ist faszinierend für Kinder: Man kann es sehen, aber nicht anfassen. Mit Schattenspielen kann man Geschichten erzählen, mit Lavalampen wunderschöne Muster entstehen lassen oder Sternenkarten an die Zimmerdecke werfen.

 

Kuscheln und zur Ruhe kommen

Kein Spiel an sich, aber auch ruhige Bewegungen und Kuscheln sind wichtig. Gedämpftes Licht, sanfte Musik und ein sicherer Rückzugsort helfen, zu entspannen und die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten.

 

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