Verlust und Trauer in der Pflege: Wie damit umgehen?

Nicht nur in der Altenpflege sind Menschen immer wieder mit dem Thema Tod konfrontiert. Aber gerade in diesem Bereich müssen Pfleger besonders häufig mit dieser Herausforderung umgehen. Dabei übernehmen sie eine wichtige Rolle, denn sie spenden sowohl den Patienten Trost in ihren letzten Stunden, als auch den Verbliebenen, die den Verlust verarbeiten müssen.

Häufig auf der Strecke bleiben dabei die Pfleger selbst. Denn auch an ihnen geht der Tod nicht spurlos vorbei. Dennoch werden sie meist vergessen und müssen weiter funktionieren, denn auch andere Patienten verlassen sich auf sie. So kann im Laufe der Zeit ein enormer Druck entstehen, der die Gesundheit belastet und dessen Ursache oftmals nicht sofort erkennbar ist.

Trauer ist nie falsch

Trauer über einen Verlust zu empfinden, ist wichtig. Ohne die Zeit und die Möglichkeit, angemessen trauern zu können, nimmt die Psyche großen Schaden. Druck von außen und das Gefühl, schnell wieder „normal“ sein und den gewohnten Alltag bestreiten zu können, hinterlassen bei Betroffenen Probleme, die sie langfristig stark belasten.

Dabei trauert jeder Mensch anders. Während die einen auch nach einem schweren Verlust schnell wieder in den Alltag finden, können andere Monate oder Jahre dafür brauchen. Auch sind die Wege, Trauer zu verarbeiten, sehr individuell.

 

Schuldgefühle richten großen Schaden an

Wichtig für eine gesunde Trauerarbeit ist das Bewusstsein, dass Trauer nie eine Schwäche ist. Selbst, wenn die Umwelt den Verlust längst überwunden hat, darf dem Trauernden nicht das Gefühl vermittelt werden, schwach zu sein und auch endlich abschließen zu müssen.

Wer sich entscheidet, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, muss für diesen Schritt Anerkennung erhalten. Manchmal ist dies gerade dann wichtig, wenn man keine Trauer empfinden kann. Noch schwieriger als Trauer ist das Gefühl der Erleichterung: Einen kranken Angehörigen zu pflegen, ist eine große Belastung, so dass der Tod von einigen als Befreiung empfunden wird. Viele schämen sich aber, dies zu kommunizieren, und werfen sich dies vor. Auch hier kann eine professionelle Hilfe der richtige Weg sein.

 

Trauer bei Angehörigen

Der Tod eines geliebten Familienmitglieds ist immer ein großer Schlag, auf den man sich kaum vorbereiten kann. Auch, wer sich auf einen nahestehenden Tod vorbereiten konnte, wird von dem Trennungsschmerz überrollt.

Es gibt nicht die eine richtige Art, mit Trauernden umzugehen. Fast immer müssen diese selbst erst erfassen, wie es ihnen geht. Wer religiös ist, kann Trost im Glauben finden, während andere Menschen sich von diesem Weg eher abgestoßen fühlen. Hier ist die Betreuung durch erfahrene und sensible Trauerbegleiter wichtig, denn die Art, wie der Abschied gestaltet wird, entscheidet über den gesamten weiterführenden Weg der Trauerarbeit.

 

Trauer der Pflegenden

Auf das Pflegepersonal kommt durch den Tod eines Patienten eine mehrfache Belastung zu: Während der Pflegealltag weitergeht und andere Patienten von den Pflegern abhängig sind, fehlt plötzlich ein mitunter ans Herz gewachsener Mensch.

Vielfach haben gerade Pfleger eine sehr intensive Beziehung zu ihren Patienten, da sie täglich Zeit mit ihnen verbringen und sie durch die letzten Tage ihres Lebens begleiten. Zugleich darf dies im Umgang mit den Angehörigen niemals deren Bedürfnisse überlagern: Sie treffen die Entscheidungen über die Art des Abschieds und der Beerdigung. Trotz Deiner Nähe zum Verstorbenen hast Du keinen Anspruch darauf, am Begräbnis teilzunehmen.

Während die Versorgung des Verstorbenen tatsächlich helfen kann, Abschied zu nehmen, kann die Betreuung der Angehörigen eine große Belastung sein. Sehr viele unterschiedliche Gefühle und Arten, mit diesen umzugehen, schwappen Dir als Pfleger nun entgegen. Zu helfen, die Angehörigen durch diese Zeit zu begleiten, ist eine schwierige, aber wichtige Aufgabe.

 

Wie sollen Pflegende mit Trauer in der Pflege umgehen?

Schaffe Dir auf jeden Fall einen Raum, in dem Du trauern kannst. Das muss kein Raum im eigentlichen Sinne sein, sondern kann auch eine bestimmte Tätigkeit bezeichnen: Mache bewusst lange Spaziergänge, auf denen Du Dir die Zeit nimmst, Deine Gefühle zu sortieren. Nimm Dir wenigstens ein paar Tage frei, wenn Dich ein Tod besonders getroffen hat. Niemandem ist geholfen, wenn Du Deine eigene Trauer verdrängst und mittelfristig schwerwiegende gesundheitliche Probleme entstehen.

Ebenso wichtig ist aber auch ein gutes Team, in dem Ihr Euch austauschen und über Verluste reden könnt. Hast Du das Gefühl, von Deinen Kollegen für weich und schwach gehalten zu werden, wenn Dir der Tod eines Patienten nahe geht, besteht ein relevantes Problem. Zwar muss der Pflegebetrieb weitergehen, aber zugleich solltest Du Dich nicht vor Deinen Kollegen verstellen müssen.

 

Fortbildungen sind nötig

Während der Ausbildung werden Pflegekräfte auf das Thema Tod und Trauer in der Pflege vorbereitet. Das hier Gelernte ist hilfreich, um mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

Dennoch fehlt oft der Praxisbezug. Wenn Du die Möglichkeit hast, Fortbildungen zu diesem Thema zu machen, solltest Du diese Möglichkeit deshalb wahrnehmen. Nicht nur wird es Dir damit besser gehen, sondern Du kannst auch Deinen Kollegen eine Stütze sein, wenn sie Hilfe brauchen.

 

Fazit: Trauer in der Pflege darf nicht verschwiegen werden

So schwer es auch fällt, darfst Du Trauer in der Pflege nicht verdrängen. Insbesondere in der Altenpflege wirst Du häufig damit konfrontiert und musst einen Weg finden, damit umzugehen.

Während Du selbst trauerst, musst Du den Angehörigen gegenüber die Fassung bewahren und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Dies kann eine große Belastung sein, wenn Du keine Möglichkeit hast, mit Deiner eigenen Trauer umzugehen. Ein starkes Team und Fortbildungen sind deshalb wichtige Bausteine für Deinen eigenen gesunden Umgang mit Verlust und Trauer.

 

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